Damals / Back Then

Die Eigentliche Gefahr / The Actual Endangerment

27. Juni 2017

“Die eigentliche Gefahr sind nicht die Parteien der Kommunisten, Sozialisten und Radikalen, deren es in jedem Staat und zu allen Zeiten gegeben hat, die eigentliche Gefahr sind nicht die im Stillen wirkenden Väter der Gesellschaft Jesu und ihrer Freunde, die die Verdumpfung des Volkes als das einzige Heil, als den einzigen Rettungsanker darstellen, die eigentliche Gefahr ist die, dass die Unzufriedenheit, von der jene Parteien so geschickt Gebrauch zu machen wissen, so allgemein verbreitet, so wohl begründet ist…”
(Hohenlohe-Schillingsfürst, Fürst Chlodwig zu: Denkwürdigkeiten, Bd 1, 1907, p39f)
(p330)

 


 

“The actual endangerment are not the communist, socialist or radical parties, which existed in every state at any time, the actual endangerment is not the secret acting fathers of the society of jesus and it’s friends, who constitute that the stultification of the people is the only salvation, the only sheet anchor, the actual endangerment is, that the discontent, of which these parties so clever make use of, is so widespread, and so well-founded…”

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Studentisches Stammbuchblatt, Würzburg 1815, CCC
Damals / Back Then

Brigittakirtag

23. Juni 2017

“Zu den Festen der Wiener gehörte auch der Brigittakirtag, der ebenfalls im Sommer in der Brigittenau (Anm.: heute der 20. Wiener Gemeindebezirk) stattfand. Es handelte sich dabei um ‘das eigentliche Volksfest der Wiener’. Es fand an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt, und jeweils 40.000 bis 80.000 Besucher nahmen daran teil.”
(Anm.: Wien hatte zu dieser Zeit ca 290.000 Einwohner, davon knapp 50.000 innerhalb der Stadtmauer.*)

 


 

“One of the festivities of the viennese was the ‘Brigittakirtag’, which also was taking place in summer in the ‘Brigittenau’ (e.n.: today the 20th district in Vienna). It was the ‚actual fair of the viennese’. It took place on 2 succeeding days, each with 40.000 to 80.000 attendees.”

(e.n.: Vienna’s number of inhabitants at this time was about 290.000 people, thereof 50.000 inside the city wall.*)

 

Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien, 1815-1848
1988, Museen der Stadt Wien und Jugend und Volk, Wien
ISBN 3-224-16741-6
Bild: Neder-Fümfkreuzertanz, Donauinselfest, beide CCC

 

*: Zahlen Donauinselfest / Numbers Donauinselfest:
Approx 3,1 Mio Besucher/attendees 2016; 1,8 Mio Einwohner innerhalb der Stadtgrenzen/inhabitants inside the city limits (2016)

E.n.: The Donauinselfest is one of the biggest open air festivals in Europe, it takes place on a weekend in june and is completely free of admission. The location is the Donauinsel, which is between the 2nd/20th and 21th/22th district. The isle was built as a part of a flood control measure for the danube and is one of the biggest recreational areas in Vienna.

 

Damals / Back Then

Eine Moralische Frage / A Moral Question

21. Juni 2017

“Am leichtesten machten es sich jene, die den Armen vorwarfen, sie hätten nicht genug gespart, oder sie hätten nicht heiraten sollen, dann brauchten sie auch keine Familie zu versorgen. Solche Beobachter warfen den Arbeitslosen Faulheit vor, den Hungernden Arbeitsscheu, den Verzweifelnden Trunksucht, den Elenden Liederlichkeit. Die Soziale Frage ist eine moralische Frage, behaupteten sie. In der Tat hätte sich manches Einzelschicksal durch noch mehr Selbstdisziplin bessern können, aber im grossen und ganzen waren solche moralischen Appelle ungeeignet, das Problem zu lösen, zumal sie von Leuten kamen, die sich selbst keine Entbehrungen aufzuerlegen brauchten.”
(p319)

 


 

“The easy path was taken by those, who accused the poor of not saving enough, or that they should not have married, because then they wouldn’t have to support a family. Such observers blamed the unemployed of laziness, the hungry of being unwilling to work, the desperate of vinosity, the miserable of looseness. The social question is a moral question, they alleged. Indeed, some individual fate would have been improved with even more self discipline, but, on the whole, such moral pleas were unfit to solve the problem, especially from people, who didn’t need to impose privation on themselfs.”

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Waldmüller, CCC

 

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Lebensangst / Angst

18. Juni 2017

“Die Lebensangst war allgemein und prägte sich deutlich in die herrschende Mentalität.

‘Da wird einem halt angst und bang,
Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang’

Dieser Vers Nestroys im ‘Kometenlied’ aus dem ‘Lumpazivagabundus’ schliesst wohl unmittelbar an diese Mentalität der Weltangst an… (…) Doch mögen wir den Kometen, der da angeblich die Welt bedroht, als Synonym verstehen. Die Angehörigen der adeligen Stände hatten intensiver die Schicksale der in der Französischen Revolution zu Schaden gekommenen Angehörigen des privilegierten Standes erlebt. Von ihrem Standpunkt aus war es notwendig, alles zu unternehmen, um den Ausbruch von Revolutionen, aber auch alles Streben nach gesellschaftlicher Veränderung schlichtweg zu verhindern. Wie immer in solchen Fällen glaubte man im uneingeschränkten Gebrauch der Staatsgewalt, dem Einsatz der Polizei, das einzig wirksame Gegenmittel gefunden zu haben. Niemand befasste sich – wie das übrigens nie geschieht – damit, das Übel an der Wurzel zu fassen, zu bessern, zu ändern, wo die Zustände nach Besserung und Änderung verlangten, sondern man regierte mit der Vorstellung, dass man ohnehin die beste aller Welten in Besitz hatte.”

 


 

“Angst was ubiquitous and molded the common mentality:

‘We’re upset and hung up
The world won’t last long’

The verse from the ‘Kometenlied’ (comets song) in Nestroy’s play ‘Lumpazivagabundus’ phrases the mentality of this angst… (…). But we might understand this comet as a synonym. The members of the nobility witnessed quite more intense the fate of the privileged class during the French Revolution. From their view it was most necessary to prevent the outbreak of revolutions and to anticipate any change in society’s status quo. As always in these cases, absolute authority of the state, the deployment of the police, was believed to be the only instrument for, the only corrective to this situation. As it never happens, no one engaged oneself in eradicating the root of evil, to improve, to change, where the situation needed to be improved, to be changed, but rather reign in the perception of owning the best of all worlds.”

 

 

Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien, 1815-1848
1988, Museen der Stadt Wien und Jugend und Volk, Wien
ISBN 3-224-16741-6
Bild: Carl Spitzweg, CCC
Damals / Back Then

Gute Alte Zeit! / Good Old Times!

15. Juni 2017

“Man hatte Sehnsucht nach der Guten Alten Zeit, man verklärte sie. Wie gediegen und solide erschien jetzt die bürgerliche Kultur der Grossväterzeit! Natürlich sah man nicht die Not jener Jahre, sondern nur die ‘Tugend’, die die Grossvätergeneration aus dieser Not zu machen verstand. Man sah nicht die lähmende Beschränktheit der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die sogenannte ‘freiwillige’ Beschränkung auf das sogenannte Wesentliche. Damals, so argumentierte man, wollten die Menschen mehr sein als scheinen. (…)
Gute Alte Zeit! Die Unfähigkeit, die eigenen gesellschaftlichen Widersprüche mit dem Blick auf die Zukunft zu lösen, führte auch in diesem Fall in die Flucht in die Vergangenheit.”
(p13)

 


 

“People were yearning for the ‘Good Old Days’ and glorified them. How dignified and solid appeared the bourgeoisie culture in the days of the grandfathers to be! Naturally, no one saw the hardship of these times, they just noticed the ‘virtues’ that had been altered from this adversity by the grandfather’s generation. They didn’t see the crippling narrowness of society’s conditions, but rather the confinement to the so-called essence ‘by choice’. Back then, they reasoned, people wanted just to be than appear to be. (…)
Good Old Times! The incompetence to resolve one’s own social inconsistencies with a vision for the future led, also in this case, in taking refuge in the past.”

 

Renate Krüger, Biedermeier, Eine Lebenshaltung zwischen 1815 und 1848
Koehler und Amelang (VOB), Leipzig, 1979, 2. Aufl. 1982,
ISBN nicht vorhanden, Lizenznummer 295/275/2407/82
Bild: Biedermeier Bilderuhr, CCC
Damals / Back Then

Leistung Oder Beziehung? / Performance Or Ties?

12. Juni 2017

“Viel deutlicher bekam es der Adel zu spüren, dass der Zeitgeist ihm entgegen stand. Nach Leistung wurde gefragt. Was einer kann, was einer schafft, was einer für Produktion, Handel, Verwaltung und Heerwesen leistet, das sollte gelten. Dem Bauern gehörte die allgemeine Achtung. Niemand bezweifelte seinen Wert für die Gesellschaft, aber wie stand es mit einem Grundherren, der nur Abgaben einzog? Was leistete der Besitzer eine Rittergutes, wenn doch die ganze körperliche Arbeit durch Tagelöhne getan wurde? War es Arbeit, wenn er das Gut verwaltete? Oder war seine Tätigkeit nicht doch parasitär? Und die Adeligen, die in der Verwaltung und im Heer die höheren Stellen innehatten, verdankten sie das ihrer Leistung oder ihren Beziehungen? Solche kritischen Fragen waren geeignet, die Dominanz des Adels zu untergraben.”
(p87)

 


 

“Much more learned the nobility that it was in opposition to the zeitgeist. Performance was required. What one is able of, what one can achieve, what’s done for production, trade, management and soldiery, that should prevail. The general public showed respect to the farmers. Nobody doubted their value for the society, but what’s with the landlord, who just levies duties? What is provided by the owner of a manor, if the whole manual chores are done by the day laborer? Is it work, if he manages the estate? Or was his function rather parasitic? And the nobility, who kept the high positions in management and the military, was this due to performance or their ties? Such critical issues were able to undermine the nobility’s dominance.”

 

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Wikimedia CCC
Damals / Back Then

Versöhnend, ruhig & bequem – Reconciliatory, calm & comfortable

9. Juni 2017

„Soziale Revolutionen, einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Regierungsformen und deren Ersatz durch unbekannte Größen, wünscht heutzutage niemand, denn die heutige Welt ist zu sehr erpicht auf materiellen Genuss und industriellen Gewinn, um diese Güter gewissen Theorien zufolge auf das Spiel zu setzen. Im Gegenteil: was man mit Bestimmtheit und überall will, ist ein versöhnender ruhiger, bequemer Friedenszustand, und wer ihn den Völkern verbürgt, ist ihnen bei der ziemlich allgemein vorherrschenden Gleichgültigkeit gegen höhere Prinzipien willkommen“.

Metternich, einige Jahrzehnte nach dem Wiener Kongress

 


 

“Social revolutions, a violent overthrow of the present form of government and the reimbursement with an unknown variable, nobody wants that today, because today’s world is more eager for material enjoyment and economic profit, than to put these things at stake for certain theories. On the contrary: a reconciliatory, calm and comfortable state of peace is doubtlessly desired everywhere, and he, who affirms this peace to the people, is, due to the predominant indifference to higher principles, most welcome.”

Metternich, decades after the “Wiener Kongress”

 

Wien (APA) – Zitate über den Wiener Kongress (1814/15) und Kongressteilnehmer
Bild: Fürst Metternich, CCC
Arbeiten / Works

Mann Mit Einem Brief / Man Holding A Letter

5. Mai 2017

Ein Mann hält einen Brief in der Hand. Er sieht dem Betrachter direkt in die Augen, sein Blick ist ruhig, aber auffordernd und zu gleich skeptisch. Die Kleidung lässt auf eine anspruchsvolle Funktion in der Öffentlichkeit schliessen.

 

A man is holding a letter in his hand. He keeps direct eye contact with the viewer, his look is calm, but invitingly and sceptic at the same time. The clothing concludes an ambitious role in the public.

 

Giovan Battista Moroni
geboren ca 1521 in Albino/Italien, gestorben um 1580.
Über sein Leben sind nur wenige verlässliche Fakten bekannt, er dürfte aber in bescheidenen Verhältnissen in Albino, bei Bergamo in der Lombardei, aufgewachsen sein und war ein erfolgreicher Künstler, der neben Portraits für vornehme Familien aus Bergamo auch Aufträge für Klöster und Kirchen geschaffen hat. Seine Bekanntheit reichte bis Venedig, seine Reputation und die Qualität seiner Arbeiten standen denen Tizians um nichts nach.
Seine Werke wurden interessanterweise besonders im 19. Jahrhundert in England geschätzt.
Er begründete das Halbfigurenbild, das heisst, dass der Bildausschnitt oberhalb der Knie der Portraitierten abgeschnitten wurde, um der Figur mehr Raum auf der Leinwand zu bieten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Giovan_Battista_Moroni

Born approx. 1521 in Albino/Italy, died approx. 1580.
There are few secured facts about Giovan Battista Moronis life, supposedly he grew up in meager conditions near Bergamo / Lombardy. He was successful during his lifetime, he painted portraits for lofty families of Bergamo and took assignments for works in monasteries and churches. His fame reached till Venice, his reputation, as well as the quality of his work, was as good as Titians.
His works were highly valued in the 19th century in England.
He originated the half-length portrait, which means that the picture section of the person is cut above its knees to provide more space for the figure.
https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Battista_Moroni

 

Vielen Dank, lieber Conny!

Arbeiten / Works

Frau Einen Brief Lesend / Woman Reading A Letter

27. April 2017

Eine junge Frau liest einen Brief. Versunken in der Lektüre vergisst sie ihre Umgebung. Ihr zartes Lächeln deutet auf einen amourösen Inhalt hin.

A young woman is reading a letter. Absorbed by this message she forgot her surrounding. Her airy smile suggests an amouros content.

Michelangelo Pittatore
geboren am 12.2.1825 in Asti/Italien, gestorben 24.3.1903 in Asti/Italien.
Bekannt als Maler religiöser Motive bekam er mit 20 Jahren vom „Höchsten Orden Der Heiligsten Verkündung“, einem römisch-katholischen Ritterorden, den Auftrag für Maria Christina von Neapel-Sizilien zu arbeiten. In Rom widmete er sich Stilleben und Darstellungen des Alltags seiner Zeitgenossen, bevor er 1859 in nach Asti zurückkehrte. 1868 zog er nach London, wo er Zugang zu den höheren Rängen der viktorianischen Gesellschaft erlangte. Der Höhepunkt seiner Karriere war eine Ausstellung and der „Royal Academy Of Arts“. 1872 kehrte er in seine Heimat zurück, ab 1880 macht sich in seinen Gemälden der Einfluss der erstarkenden Photographie bemerkbar.

 

Born on 12.2.1825 in Asti/Italy, died on 24.3.1903 in Asti/Italy.
Known for his religious works in 1845 he gained a commission from the „Supreme Order of the Most Holy Annunciation“, a roman-catholic order of knights, to work for Maria Christina on Naples and Sicily. In Rome he dedicated his work to still-life and genre works, in 1859 he returned back home to Asti. As he moved to London in 1868 he gained access to the upper echelons of the victorian society, the zenith of his career was an exhibition in the „Royal Academy Of Arts“. 1872 he returned home and since 1880 his works showed the increasing influence of photography.
http://www.wikiwand.com/en/Michelangelo_Pittatore

Arbeiten / Works

Mädchen Mit Buch / Girl With A Book

20. April 2017

Eine junge Frau verdeckt mit einem Buch ihren Mund. In ihrem Gesicht ist ein leichtes Lächeln, ihr Blick ist versunken und nach innen gerichtet. Vielleicht hält sie ihr Tagebuch in der Hand?

A young woman covers her mouth with a book. Her face shows an airy smile, her gaze is absorbed and bound inwards. Maybe she holds her diary in her hands?

Pietro Rotari
geboren am 30.9.1707 in Verona/Italien, gestorben 31.8.1762 in St. Petersburg/Russland.
Zu Beginn seiner Karriere machte er sich als Maler religiöser Motive einen Namen, als Portraitmaler schuf er in Italien, Wien und Dresden zahlreiche Werke bevor er in St. Petersburg Hofmaler am Zarenhof wurde. Dort portraitierte er auch Menschen aus dem „einfachen Volk“ und der russischen Gesellschaft, bis dato existieren noch über 360 dieser meist anonymen Gemälde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari

Born on 30.9.1707 in Verona/Italy, died on 31.8.1762 in St. Petersburg/Russia.
He had his first success as a painter of religious scenery, later he accomplished many works in Italy, Vienna and Dresden as painter of portraits. Then he settled on the czars court as court painter in St. Petersburg. He also depicted peasants and people of russia’s society, today remain still more than 360 paintings of mostly anonymous folk.
https://en.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari