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Spekulation / Speculation

14. November 2017

“Für die Höhe der Mietzinse war entscheidend, ob die Wohnung näher oder entfernter von der Stadt lag. Aber auch sonst bildeten sich Unterschiede heraus. Das Image der Gegenden wurde differenzierter bewertet. Das waren Auffassungen, die bis weit ins 20. Jahrhundert erhalten blieben. (…) In den Vorstädten, wo vorwiegend eine finanziell schwache Bevölkerung wohnte und es viele Arbeiterwohnungen gab, waren elende, kleine, niedrig gebaute Zimmer, in denen sich alles Leben einer Familie abspielte, die Regel. Charakteristisch waren hier die ‘Pawlatschenhäuser*’, niedrig gebaute Wohnobjekte mit aus Holz gebauten Umgängen. Viel an dem Wohnungsübel hatte seine Ursache im Spekulantentum. Die kleinen Häuser, in denen man sich die Wohnungen noch hatte leisten können, begannen zu verfallen und wurden durch Grossbauten ersetzt, der Höhe der Zinse den kleinen Einkommen keineswegs mehr entsprach. Offensichtlich waren die Spekulanten also bemüht, den vorhandenen Wohnraum zu verknappen, um ihn teuer anbieten zu können. In den vierziger Jahren trug diese Haltung zusätzlich zur Verschärfung der sozialen Situation bei. Im Zuge der Industrialisierung verringerte sich die Anzahl der Arbeitsplätze, die Einkommen sanken ab, die Verelendung der breiten Schichten der Bevölkerung nahm zu. Der Anteil der Höhe der Miete im Arbeiterhaushalt betrug ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens.”

 

*: „Pawlatsche“ war die ins Österreichisch übernommene tschechische (‘pavlać’) Bezeichung für ein Haus, dessen Wohnungszugang über aussen liegende Stiegen und überdachte Laubengänge erfolgte. Diese Kostruktion war sehr billig.

 


 

“The amount of the rent for the residence depended on the distance to the city. But other differences showed as well. The reputation of the neighborhood was distinguished differently. This concept stretched long into the 20th century (…) The outskirts were generally built up with workman’s houses, the inhabitants were mostly financially weak. Miserable, small, low-ceilinged rooms were characteristic, where the whole life of the family took place. A typical building for this area was the “pawlatschen*-house”, a low-rise construction with a wooden tower gallery. Essentially speculation was the reason for this misery. The small, but still affordable houses were left to deteriorate and were replaced by bigger structures with much higher rental fees which were in no match for the low income. The venturers apparently tried to shorten available housing space to rise the operating leases. In the (18)40ies this tune aggravated the social marginalisation. The number of jobs clearly depleted in the course of the industrial revolution, the income dropped and the distress of the population escalated. The quota of the workers salary regarding the rent was from 25 up to 30 per cent.”

 

*: “Pawlatsche” is an austrianized czech word (‘pavlać’) for a building, in which the staircase with an access balcony and canopy is on the outside, in the open. It was a cheap construction to access the flats.

 

Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien, 1815-1848
1988, Museen der Stadt Wien und Jugend und Volk, Wien
ISBN 3-224-16741-6
Bild: Velasquez, Wien um 1830, CCC

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