Damals / Back Then

Wohnsitz / Place Of Residence

16. Juni 2017

“Eine gewisse Bewegung trat auf in der Wahl des Wohnsitzes: Die einen zogen in eine schöne Strasse in ‘guter Gegend’ der Innenstadt, als andere schon wieder hinaus strebten. In stadtfernen ländlichen Gegenden entstanden Villenkolonien, erbaut von Bodenspekulanten. (…) Bürgerlicher Reichtum strebte auch nach dem Zweitwohnsitz auf dem Lande, einem Haus in der neuen, heimatverbundenen Mode, am liebsten über und über mit Efeu bewachsen.”

 


 

“The choice for place of residence was fluctuating: some were moving to a nice street in good neighborhood downtown, others were moving out of the city. Villa quarters were built in rural landscapes, built by real estate venturers. (…) The wealth of the bourgeoisie was striving for a secondary residence in rural landscapes, a mansion in the newly, native fashion, preferably overgrown by ivy.”

 

 

(p60)
Annemarie Weber, Immer auf dem Sofa – Das familiäre Glück vom Biedermeier bis heute.
Severin und Siedler, Berlin, 1982
ISBN 3-88680-039-3
Bild: Raulino, Landschaft mit Schloss (Weilburg/Baden bei Wien), CCC
Damals / Back Then

Gute Alte Zeit! / Good Old Times!

15. Juni 2017

“Man hatte Sehnsucht nach der Guten Alten Zeit, man verklärte sie. Wie gediegen und solide erschien jetzt die bürgerliche Kultur der Grossväterzeit! Natürlich sah man nicht die Not jener Jahre, sondern nur die ‘Tugend’, die die Grossvätergeneration aus dieser Not zu machen verstand. Man sah nicht die lähmende Beschränktheit der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die sogenannte ‘freiwillige’ Beschränkung auf das sogenannte Wesentliche. Damals, so argumentierte man, wollten die Menschen mehr sein als scheinen. (…)
Gute Alte Zeit! Die Unfähigkeit, die eigenen gesellschaftlichen Widersprüche mit dem Blick auf die Zukunft zu lösen, führte auch in diesem Fall in die Flucht in die Vergangenheit.”
(p13)

 


 

“People were yearning for the ‘Good Old Days’ and glorified them. How dignified and solid appeared the bourgeoisie culture in the days of the grandfathers to be! Naturally, no one saw the hardship of these times, they just noticed the ‘virtues’ that had been altered from this adversity by the grandfather’s generation. They didn’t see the crippling narrowness of society’s conditions, but rather the confinement to the so-called essence ‘by choice’. Back then, they reasoned, people wanted just to be than appear to be. (…)
Good Old Times! The incompetence to resolve one’s own social inconsistencies with a vision for the future led, also in this case, in taking refuge in the past.”

 

Renate Krüger, Biedermeier, Eine Lebenshaltung zwischen 1815 und 1848
Koehler und Amelang (VOB), Leipzig, 1979, 2. Aufl. 1982,
ISBN nicht vorhanden, Lizenznummer 295/275/2407/82
Bild: Biedermeier Bilderuhr, CCC
Damals / Back Then

Leistung Oder Beziehung? / Performance Or Ties?

12. Juni 2017

“Viel deutlicher bekam es der Adel zu spüren, dass der Zeitgeist ihm entgegen stand. Nach Leistung wurde gefragt. Was einer kann, was einer schafft, was einer für Produktion, Handel, Verwaltung und Heerwesen leistet, das sollte gelten. Dem Bauern gehörte die allgemeine Achtung. Niemand bezweifelte seinen Wert für die Gesellschaft, aber wie stand es mit einem Grundherren, der nur Abgaben einzog? Was leistete der Besitzer eine Rittergutes, wenn doch die ganze körperliche Arbeit durch Tagelöhne getan wurde? War es Arbeit, wenn er das Gut verwaltete? Oder war seine Tätigkeit nicht doch parasitär? Und die Adeligen, die in der Verwaltung und im Heer die höheren Stellen innehatten, verdankten sie das ihrer Leistung oder ihren Beziehungen? Solche kritischen Fragen waren geeignet, die Dominanz des Adels zu untergraben.”
(p87)

 


 

“Much more learned the nobility that it was in opposition to the zeitgeist. Performance was required. What one is able of, what one can achieve, what’s done for production, trade, management and soldiery, that should prevail. The general public showed respect to the farmers. Nobody doubted their value for the society, but what’s with the landlord, who just levies duties? What is provided by the owner of a manor, if the whole manual chores are done by the day laborer? Is it work, if he manages the estate? Or was his function rather parasitic? And the nobility, who kept the high positions in management and the military, was this due to performance or their ties? Such critical issues were able to undermine the nobility’s dominance.”

 

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Wikimedia CCC
Damals / Back Then

Versöhnend, ruhig & bequem – Reconciliatory, calm & comfortable

9. Juni 2017

„Soziale Revolutionen, einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Regierungsformen und deren Ersatz durch unbekannte Größen, wünscht heutzutage niemand, denn die heutige Welt ist zu sehr erpicht auf materiellen Genuss und industriellen Gewinn, um diese Güter gewissen Theorien zufolge auf das Spiel zu setzen. Im Gegenteil: was man mit Bestimmtheit und überall will, ist ein versöhnender ruhiger, bequemer Friedenszustand, und wer ihn den Völkern verbürgt, ist ihnen bei der ziemlich allgemein vorherrschenden Gleichgültigkeit gegen höhere Prinzipien willkommen“.

Metternich, einige Jahrzehnte nach dem Wiener Kongress

 


 

“Social revolutions, a violent overthrow of the present form of government and the reimbursement with an unknown variable, nobody wants that today, because today’s world is more eager for material enjoyment and economic profit, than to put these things at stake for certain theories. On the contrary: a reconciliatory, calm and comfortable state of peace is doubtlessly desired everywhere, and he, who affirms this peace to the people, is, due to the predominant indifference to higher principles, most welcome.”

Metternich, decades after the “Wiener Kongress”

 

Wien (APA) – Zitate über den Wiener Kongress (1814/15) und Kongressteilnehmer
Bild: Fürst Metternich, CCC
Arbeiten / Works

Mann Mit Einem Brief / Man Holding A Letter

5. Mai 2017

Ein Mann hält einen Brief in der Hand. Er sieht dem Betrachter direkt in die Augen, sein Blick ist ruhig, aber auffordernd und zu gleich skeptisch. Die Kleidung lässt auf eine anspruchsvolle Funktion in der Öffentlichkeit schliessen.

 

A man is holding a letter in his hand. He keeps direct eye contact with the viewer, his look is calm, but invitingly and sceptic at the same time. The clothing concludes an ambitious role in the public.

 

Giovan Battista Moroni
geboren ca 1521 in Albino/Italien, gestorben um 1580.
Über sein Leben sind nur wenige verlässliche Fakten bekannt, er dürfte aber in bescheidenen Verhältnissen in Albino, bei Bergamo in der Lombardei, aufgewachsen sein und war ein erfolgreicher Künstler, der neben Portraits für vornehme Familien aus Bergamo auch Aufträge für Klöster und Kirchen geschaffen hat. Seine Bekanntheit reichte bis Venedig, seine Reputation und die Qualität seiner Arbeiten standen denen Tizians um nichts nach.
Seine Werke wurden interessanterweise besonders im 19. Jahrhundert in England geschätzt.
Er begründete das Halbfigurenbild, das heisst, dass der Bildausschnitt oberhalb der Knie der Portraitierten abgeschnitten wurde, um der Figur mehr Raum auf der Leinwand zu bieten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Giovan_Battista_Moroni

Born approx. 1521 in Albino/Italy, died approx. 1580.
There are few secured facts about Giovan Battista Moronis life, supposedly he grew up in meager conditions near Bergamo / Lombardy. He was successful during his lifetime, he painted portraits for lofty families of Bergamo and took assignments for works in monasteries and churches. His fame reached till Venice, his reputation, as well as the quality of his work, was as good as Titians.
His works were highly valued in the 19th century in England.
He originated the half-length portrait, which means that the picture section of the person is cut above its knees to provide more space for the figure.
https://en.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Battista_Moroni

 

Vielen Dank, lieber Conny!

Arbeiten / Works

Frau Einen Brief Lesend / Woman Reading A Letter

27. April 2017

Eine junge Frau liest einen Brief. Versunken in der Lektüre vergisst sie ihre Umgebung. Ihr zartes Lächeln deutet auf einen amourösen Inhalt hin.

A young woman is reading a letter. Absorbed by this message she forgot her surrounding. Her airy smile suggests an amouros content.

Michelangelo Pittatore
geboren am 12.2.1825 in Asti/Italien, gestorben 24.3.1903 in Asti/Italien.
Bekannt als Maler religiöser Motive bekam er mit 20 Jahren vom „Höchsten Orden Der Heiligsten Verkündung“, einem römisch-katholischen Ritterorden, den Auftrag für Maria Christina von Neapel-Sizilien zu arbeiten. In Rom widmete er sich Stilleben und Darstellungen des Alltags seiner Zeitgenossen, bevor er 1859 in nach Asti zurückkehrte. 1868 zog er nach London, wo er Zugang zu den höheren Rängen der viktorianischen Gesellschaft erlangte. Der Höhepunkt seiner Karriere war eine Ausstellung and der „Royal Academy Of Arts“. 1872 kehrte er in seine Heimat zurück, ab 1880 macht sich in seinen Gemälden der Einfluss der erstarkenden Photographie bemerkbar.

 

Born on 12.2.1825 in Asti/Italy, died on 24.3.1903 in Asti/Italy.
Known for his religious works in 1845 he gained a commission from the „Supreme Order of the Most Holy Annunciation“, a roman-catholic order of knights, to work for Maria Christina on Naples and Sicily. In Rome he dedicated his work to still-life and genre works, in 1859 he returned back home to Asti. As he moved to London in 1868 he gained access to the upper echelons of the victorian society, the zenith of his career was an exhibition in the „Royal Academy Of Arts“. 1872 he returned home and since 1880 his works showed the increasing influence of photography.
http://www.wikiwand.com/en/Michelangelo_Pittatore

Arbeiten / Works

Mädchen Mit Buch / Girl With A Book

20. April 2017

Eine junge Frau verdeckt mit einem Buch ihren Mund. In ihrem Gesicht ist ein leichtes Lächeln, ihr Blick ist versunken und nach innen gerichtet. Vielleicht hält sie ihr Tagebuch in der Hand?

A young woman covers her mouth with a book. Her face shows an airy smile, her gaze is absorbed and bound inwards. Maybe she holds her diary in her hands?

Pietro Rotari
geboren am 30.9.1707 in Verona/Italien, gestorben 31.8.1762 in St. Petersburg/Russland.
Zu Beginn seiner Karriere machte er sich als Maler religiöser Motive einen Namen, als Portraitmaler schuf er in Italien, Wien und Dresden zahlreiche Werke bevor er in St. Petersburg Hofmaler am Zarenhof wurde. Dort portraitierte er auch Menschen aus dem „einfachen Volk“ und der russischen Gesellschaft, bis dato existieren noch über 360 dieser meist anonymen Gemälde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari

Born on 30.9.1707 in Verona/Italy, died on 31.8.1762 in St. Petersburg/Russia.
He had his first success as a painter of religious scenery, later he accomplished many works in Italy, Vienna and Dresden as painter of portraits. Then he settled on the czars court as court painter in St. Petersburg. He also depicted peasants and people of russia’s society, today remain still more than 360 paintings of mostly anonymous folk.
https://en.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari

Arbeiten / Works

Winternachmittag / Afternoon In Winter

31. Januar 2017

Dies ist so eine Art Premiere.
Zu diesem Bild gibt es keine Vorlage. Das Photo ist spontan an einem Nachmittag im Winter 2017 entstanden.
Erst vor Kurzem bin ich im Zuge von Recherchen für dieses Projekt über den dänischen Maler Vilhelm Hammershoi (1864-1916) gestolpert, wie Jan Vermeer ein wahrer Meister des Lichtes. In seiner Sachlichkeit und seinem Realismus hat er möglicherweise Edward Hopper inspiriert, die Bilder haben trotz des Minimalismus ähnliche atmosphärische Dichte.
Tief beeindruckt von seinen Werken geisterte seitdem der Wunsch nach Umsetzung dieser nordischen Stimmung in meinem Projekt herum.

 

This is some kind of premiere.
There’s no template for this picture. This photo was shot very spontaneous on a winters afternoon in 2017.
Recently I stumbled over the danish painter Vilhelm Hammershoi (1864-1916), like Jan Vermeer a true master of light. His objectivity and realism may have inspired Edward Hopper, in spite of their minimalism, the pictures show similar atmospheric intensity.
I am deeply impressed by his works and wanted to realize this nordic mood in my project.

 

Ein riesengrosses „Danke“ an Karin, die sich so spontan meiner Begeisterung anvertraute und ohne zu Zögern mitmachte!

Arbeiten / Works

Mädchen, Bei Kerzenlicht Einen Brief Lesend / Girl Reading A Letter By Candlelight

6. Januar 2017

Eine junge Frau liest versonnen eine Nachricht bei Kerzenschein. In ihrem Gesicht ist ein leichtes Lächeln angedeutet, was, auf der einen Seite, Rückschlüsse auf den Inhalt der Nachricht geben mag, und, auf der anderen Seite, den Betrachter Zeuge eines intimen Momentes macht.

A young woman is reading a message by candlelight. Her face suggests an airy smile, which, on one hand, gives conclusion on the subject of the message, and, on the other hand, makes the viewer a witness of an intimate moment.

 

Jean-Baptiste Santerre
geboren am 23.3.1651 in Magny-En-Vexin/Frankreich, gestorben 21.11.1717 in Paris/Frankreich.
Er war schon zu Lebzeiten ein bekannter und erfolgreicher Portraitmaler, seine religiösen Motive gelten als eher uninspiriert, jedoch erwarb er sich mit seinem Werk „Susanna im Bad“ Ruhm als Vorreiter der erotischen Malerei. Er galt als Mann von erlesenem Geschmack und seine Arbeiten zeichnen sich durch vorsichtige und raffinierte Arbeitsweise aus.

Born on 23.3.1651 in Magny-En-Vexin/France, died on 21.11.1717 in Paris/France.
Already in his lifetime Jean-Baptiste gained fame and success with portraits, his religious paintings are weighed rather uninspired, though his work „Susanna at the Bath“ made him a precursor in erotic painting. He was considered as a man with exquisite taste and his works show a refined and careful method.
https://en.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_Santerre

Arbeiten / Works

Vielen Dank / Thank you

30. Dezember 2016

Zum Ende des Jahres 2016 möchte ich allen Beteiligten von ganzen Herzen danken!
Ohne Euch hätte es nie so viel Spass gemacht und ohne Eure Unterstützung wäre Neobiedermeier im geistigen Friedhof ambitionierter Ideen begraben worden!

Danke an Julia, Klaudia, Georg, Babsi, Jörg, Steffi, Klaus, Hannah, Almuth, Julia, Christa, das restliche Rag-Team, Irene und das Team der Swingkitchen und an Euch werte Besucherinnen und Leser!

Für 2017 gibt’s schon ein paar neue Bilder, die umgesetzt werden wollen! Stay tuned!

<3

 

At the end of 2016 I want to thank all participants!
It would never been this fun without you and without your kind support neobiedermeier would have been buried at the cemetary of ambitious ideas.

And of course: thank you, dearest vistior and reader! Stay tuned!

For 2017 several pictures are in the cue, waiting for realization!
<3