Schlagwort: book

Damals / Back Then

Anekdoten I / Anecdotes I

20. Oktober 2018

„Als Grillparzer sein Drama „König Ottokars Glück und Ende“ der Zensur eingereicht hatte, blieb es drei Jahre verschwunden. Keine Eingabe, kein Nachforschen half. Der Dichter war verzweifelt. Da brachte es ein Zufall ans Licht des Tages. Die Kaiserin, müde der gewöhnlichen Vorleselektüre, hatte nach etwas Besonderem, Anderem verlangt – Franz (Anm.: der Kaiser) hatte vermutlich diesen Wunsch nicht gehört. Da grub man in den Stössen von Manuskripten nach und fand den mit dem Staub von drei Jahren bedeckten „Ottokar“. Die Kaiserin las ihn, war entzückt, und  veranlasste den Kaiser das Stück aufführen zu lassen. Als Grillparzer sich später beim Zensor erkundigte, was denn eigentlich dagegen vorgelegen war, erhielt er die phytische Antwort: „Nichts; aber man kann nie wissen.““
– Ann Tizia Leitisch, „Wiener Biedermeier“, Helhagen & Klasing in Bielefeld und Leipzig, 1941

 


 

„As Grillparzer submitted his drama „The Fortune and Fall of King Ottokar“ to the censorship, it went missing for three years. No petition, no inquiry helped. The poet was desperate. A fortunate incident gave it back to the world. The empress, tired of the common reading texts, demanded something exceptional, different – supposedly her wish hasn’t been brought to Franz‘ (the emperor) attention. Digging in piles of submitted manuscripts, „Ottokar“ was found, covered in dust of three years. As the empress read this play, she was delighted and she forced the emperor to put it on the stage.
Later Grillparzer asked the censor what has been the matter of objection against his play, he got the phytic answer: „Nothing, but one can never know.“
– Ann Tizia Leitisch, „Wiener Biedermeier“, Helhagen & Klasing in Bielefeld und Leipzig, 1941

Damals / Back Then

Moralische Ratschläge / Moral Pieces Of Advice

17. November 2017

“Jahrzehntelang wurde zum Beispiel überall in Deutschland ein Erbauungsbuch dieser Art gelesen, die ‘Stunden der Andacht’. (…) Es gab keine grundsätzlichen Erörterungen; kein kämpferischer Ton klang auf. (…) Seine Betrachtungen tauchte er (Anm: der Autor) in eine milde, sanfte Religiosität, so wenn er sich über die Tages- und Jahreszeiten äusserte, über die Beziehungen zu den verschiedenen Gliedern der Familie bis hin zu den Tieren, wenn er menschliche Schwächen oder menschliche Vorzüge behandelte. Weise zu werden, das sollte nach den Worten des Verfassers das Ziel des Lesers sein. Vom Seelenheil war selten die Rede. Oft genug gerieten seine moralischen Ratschläge in die Nähe von Benimm-Regeln.”
(p277f)

 


 

“For example: such a book of meditations was read in germany for decades, the ‘hours of devotion’. (…) There were no cardinal considerations, no fierce tone in evidence. (…) His (e.n.: the author) reflections were quenched in mild, meek religiousness, as he spoke out about daytime and seasons, about relationships with members of the family extended even to animals, as he outlined human flimsiness and virtues. Becoming wise, this should be, of the author’s notion, the reader’s intent. Salvation was rarely mentioned. His moral pieces of advice got often into rules of conduct.”

 

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Carl Spitzweg; CCC
Damals / Back Then

Es Steht! / It Stands Still!

6. November 2017

“Der österreichische Staat kommt uns vor wie eine Uhr … Die Welt glaubt, die Uhr gehe fort, weil man sie manchmal schlagen hört. Das ist aber der Wecker der Zeit – der schlägt daran. Österreich geht aber auch nicht … es steht!”

Aus den “Sibyllinischen Büchern aus Österreich” von Hauptmann Karl Möhring

 


 

“To us the appearance of the austrian state is that of a clock … the world thinks, the clock is running, because sometimes you hear its stroke. Only that’s the alarm of the times – that chimes this bell. But Austria isn’t running …it stands still!”

From the „Sybillinic Books from Austria“, by Hauptmann Karl Möhring

 

Fritz Endler, Wien im Biedermeier
Verlag Carl Ueberreuter, Wien – Heidelberg, 1978
ISBN 3-8000-3150-7
Bild: Carl Spitzweg, Friede Im Land, CCC
Arbeiten / Works

Mädchen Mit Buch / Girl With A Book

20. April 2017

Eine junge Frau verdeckt mit einem Buch ihren Mund. In ihrem Gesicht ist ein leichtes Lächeln, ihr Blick ist versunken und nach innen gerichtet. Vielleicht hält sie ihr Tagebuch in der Hand?

A young woman covers her mouth with a book. Her face shows an airy smile, her gaze is absorbed and bound inwards. Maybe she holds her diary in her hands?

Pietro Rotari
geboren am 30.9.1707 in Verona/Italien, gestorben 31.8.1762 in St. Petersburg/Russland.
Zu Beginn seiner Karriere machte er sich als Maler religiöser Motive einen Namen, als Portraitmaler schuf er in Italien, Wien und Dresden zahlreiche Werke bevor er in St. Petersburg Hofmaler am Zarenhof wurde. Dort portraitierte er auch Menschen aus dem „einfachen Volk“ und der russischen Gesellschaft, bis dato existieren noch über 360 dieser meist anonymen Gemälde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari

Born on 30.9.1707 in Verona/Italy, died on 31.8.1762 in St. Petersburg/Russia.
He had his first success as a painter of religious scenery, later he accomplished many works in Italy, Vienna and Dresden as painter of portraits. Then he settled on the czars court as court painter in St. Petersburg. He also depicted peasants and people of russia’s society, today remain still more than 360 paintings of mostly anonymous folk.
https://en.wikipedia.org/wiki/Pietro_Rotari