Schlagwort: bürgertum

Damals / Back Then

Alte Mächte / Old Forces

5. Dezember 2017

“Das Neue war unwiderstehlich. Die alten gesellschaftlichen Mächte mussten ohnmächtig zusehen, wie durch die Hand des Bürgertums unablässig Neues entstand, das geeignet war, die alten Standesunterschiede einzuebnen. (…) Die Bürger waren stolz auf ihre Leistung, und zwar ihre eigene, individuelle Leistung. Was sie selbst, was sie persönlich getan hatten, das zählte. Wenn es ein kleiner Mann zu etwas gebracht hatte, dann wog das mehr als eine ererbte Stellung. Ebenso stolz waren Bürger auf ihre Bildung. Genauso verhielt es sich mit der bürgerlichen Kultur.”
(p142)

 


 

„The new was irresistible. The old societal forces had to watch helpless as the hands of the bourgeoisie created ceaseless innovations, eligible to level the old class distinction (…) The burgess was proud of its achievements, namely their own, individual performance. What they personally accomplished, by themselfs, that mattered. When the little man got somewhere, this weighed more than any hereditary status. The bourgeoisie was proud of its education, likewise its civic culture.“

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Hasenklever, Das Lesekabinett, CCC
Damals / Back Then

Gute Alte Zeit! / Good Old Times!

15. Juni 2017

“Man hatte Sehnsucht nach der Guten Alten Zeit, man verklärte sie. Wie gediegen und solide erschien jetzt die bürgerliche Kultur der Grossväterzeit! Natürlich sah man nicht die Not jener Jahre, sondern nur die ‘Tugend’, die die Grossvätergeneration aus dieser Not zu machen verstand. Man sah nicht die lähmende Beschränktheit der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die sogenannte ‘freiwillige’ Beschränkung auf das sogenannte Wesentliche. Damals, so argumentierte man, wollten die Menschen mehr sein als scheinen. (…)
Gute Alte Zeit! Die Unfähigkeit, die eigenen gesellschaftlichen Widersprüche mit dem Blick auf die Zukunft zu lösen, führte auch in diesem Fall in die Flucht in die Vergangenheit.”
(p13)

 


 

“People were yearning for the ‘Good Old Days’ and glorified them. How dignified and solid appeared the bourgeoisie culture in the days of the grandfathers to be! Naturally, no one saw the hardship of these times, they just noticed the ‘virtues’ that had been altered from this adversity by the grandfather’s generation. They didn’t see the crippling narrowness of society’s conditions, but rather the confinement to the so-called essence ‘by choice’. Back then, they reasoned, people wanted just to be than appear to be. (…)
Good Old Times! The incompetence to resolve one’s own social inconsistencies with a vision for the future led, also in this case, in taking refuge in the past.”

 

Renate Krüger, Biedermeier, Eine Lebenshaltung zwischen 1815 und 1848
Koehler und Amelang (VOB), Leipzig, 1979, 2. Aufl. 1982,
ISBN nicht vorhanden, Lizenznummer 295/275/2407/82
Bild: Biedermeier Bilderuhr, CCC