Schlagwort: mentality

Damals / Back Then

Lebensangst / Angst

18. Juni 2017

“Die Lebensangst war allgemein und prägte sich deutlich in die herrschende Mentalität.

‘Da wird einem halt angst und bang,
Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang’

Dieser Vers Nestroys im ‘Kometenlied’ aus dem ‘Lumpazivagabundus’ schliesst wohl unmittelbar an diese Mentalität der Weltangst an… (…) Doch mögen wir den Kometen, der da angeblich die Welt bedroht, als Synonym verstehen. Die Angehörigen der adeligen Stände hatten intensiver die Schicksale der in der Französischen Revolution zu Schaden gekommenen Angehörigen des privilegierten Standes erlebt. Von ihrem Standpunkt aus war es notwendig, alles zu unternehmen, um den Ausbruch von Revolutionen, aber auch alles Streben nach gesellschaftlicher Veränderung schlichtweg zu verhindern. Wie immer in solchen Fällen glaubte man im uneingeschränkten Gebrauch der Staatsgewalt, dem Einsatz der Polizei, das einzig wirksame Gegenmittel gefunden zu haben. Niemand befasste sich – wie das übrigens nie geschieht – damit, das Übel an der Wurzel zu fassen, zu bessern, zu ändern, wo die Zustände nach Besserung und Änderung verlangten, sondern man regierte mit der Vorstellung, dass man ohnehin die beste aller Welten in Besitz hatte.”

 


 

“Angst was ubiquitous and molded the common mentality:

‘We’re upset and hung up
The world won’t last long’

The verse from the ‘Kometenlied’ (comets song) in Nestroy’s play ‘Lumpazivagabundus’ phrases the mentality of this angst… (…). But we might understand this comet as a synonym. The members of the nobility witnessed quite more intense the fate of the privileged class during the French Revolution. From their view it was most necessary to prevent the outbreak of revolutions and to anticipate any change in society’s status quo. As always in these cases, absolute authority of the state, the deployment of the police, was believed to be the only instrument for, the only corrective to this situation. As it never happens, no one engaged oneself in eradicating the root of evil, to improve, to change, where the situation needed to be improved, to be changed, but rather reign in the perception of owning the best of all worlds.”

 

 

Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien, 1815-1848
1988, Museen der Stadt Wien und Jugend und Volk, Wien
ISBN 3-224-16741-6
Bild: Carl Spitzweg, CCC