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Arbeiten / Works

Ohne Titel III / Untitled III (Grand Cigar 2018)

17. Juni 2018

Im Biedermeier war der Genuss von Tabak sehr beliebt.
Vorzugsweise in der Pfeife oder geschnupft – jedoch am Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich eine neue Mode durch: aus (über) Spanien kommt gerollter Tabak, diese Innovation wird „Cigaro“ und „Cigarillo“ genannt. Dieser neue Rauchgenuss hatte die Pfeife und das Schnupfen innerhalb weniger Jahre verdrängt.
Schnell waren erste Rauchverbote ausgesprochen, auf offener Strasse, denn die Behörden sahen eine grosse „Feuergefahr“.
Die Polizei exekutierte Bussgelder von 2 Taler, die Bürger fühlten sich schikaniert und gaben ihrem Unmut lautstark bekannt.

So verbleibt wieder nur ein leises, amüsiertes
Nihil Novi Sub Sole.

 

Das Hofmobiliendepot in Wien bietet eine Ausstellung zu diesem Thema: „Vom Ruhen Und Rauchen“.

Foto: vom „Grand Cigar 2018“, mit besonderem Dank an ‚Art-Of-Life‘ und ‚Der Blaue Dunst‘

 


 

In Biedermeier tobacco was a matter of great indulgence.
Tobacco was primarily enjoyed with pipe or was snuffed – but in the beginning of the 19th century an new manner came in fashion: from (via) Spain rolled tobacco was imported, it was called „Cigaro“ or „Cigarillo“. Pipes and snuffing were outdated and replaced in just a few years.
The authorities declared immediately smoke bans on the street, due to a great fire hazard.
Police fined violators with 2 Taler,  the citizens felt harassed and complained vociferous.

So, all that remains is a quiet, but amused
Nihil Novi Sub Sole.

 

„Resting And Smoking“, an exhibition in the Hofmobiliendepot in Vienna.

 

Picture: from „Grand Cigar 2018“ with special thanks to „Art-Of-Life“ and „Der Blaue Dunst“.

 

Arbeiten / Works

Ohne Titel II / Untitled II (Grand Cigar 2018)

14. Juni 2018

Am 8.6.2018 hatte ich die Ehre am „Grand Cigar 2018“ eingeladen zu sein.
Der Grund dafür war, dass die Veranstalter, „Art Of Life“, Neobiedermeier.com und meine Arbeiten bereits kannten und schätzen. Ich war nicht Veranstaltungsfotograf, sondern ich sollte mit meinen Arbeiten einen Blick durch das metaphorische Schlüsselloch auf eine äusserst exklusive Veranstaltung darstellen.
Die Veranstaltung, in Wien die erste dieser Art, war unglaublich, die Stimmung war grossartig und das Ambiente festlich, Veranstalter, Mitwirkende und Besucher hatten sichtbar grosse Freude.

Was hat das aber eigentlich mit Neobiedermeier zu tun?

Nun, auf der einen Seite fand es im „Ballhaus“, im 9. Wiener Gemeindebezirk, statt, einer Location aus dem Biedermeier, und auf der anderen Seite, erinnerte mich diese Veranstaltung in ihrer Exklusivität an die Salonparties des Biedermeier, als sich die Menschen in kleinstem Kreise zusammenfanden um ihren Interessen ungestört und ohne dem Diktat gesellschaftlicher Zwänge nachgehen zu können.
Der Titel verrät es, es ging um Zigarren und das Rauchen derselben.
Das Rauchen, das in der heutigen Zeit einen Anachronismus darstellt, etwas, über das ‚man nicht spricht‘, ja eigentlich sogar geächtet ist, aber, ungeachtet aller anderen Standpunkte, mit Genuss verbunden ist.

Mein Ansatz war eher einer des Romantizismus, bzw. Klassizismus: vorhandenes Licht, kein Blitz oder photographische Ausleuchtung, der Versuch den Charakter des Menschen (oder des Momentes) mit minimalen Mitteln einzufangen ohne in Details hängenzubleiben.

 

Ich möchte von ganzem Herzen meinen Gastgebern, Diana Millet und Günter Liska, danken, die mich, ungeachtet dessen, dass wir uns erst so kurz kennen, so freundschaftlich aufgenommen haben; ebenfalls und vorallem Klaus Hruby, Betreiber Österreichs grössten Zigarrenblogs „Der Blaue Dunst“ – ohne ihn, seine Freundschaft und seinem steten moralischen Support wäre das nicht zustande gekommen.
Und natürlich allen, die ich ablichten durfte, die mir als Modell zur Verfügung gestanden sind, die sich in diesem Moment dessen vielleicht nicht zu 100% bewusst waren.

 


 

 

On the 8th of June I had the honor to be invited to “Grand Cigar 2018”.
The hosts of this event, ‚Art Of Life‘, already knew and appreciate my works, so this was the reason for this invitation. My ‘job’ was not classic event photography, my goal was to capture a feeling of witnessing a very exclusive event through the metaphoric keyhole.

This evening, the first of this kind in Vienna, was just marvelous, the setting solemn, hosts, participants and guests had obviously a great time.

But what’s the connection to Neobiedermeier?

Well, on one hand, the event took place at the “Ballhaus” in the 9th district of Vienna, a location from the Biedermeier and, on the other hand, the setting reminded me of the parties in this special time, in the parlor, very private and secluded from society’s constraints.
“Grand Cigar” gives it away: it was all about cigars and smoking.
Today smoking is an anachronism, nothing done in public, not spoken of and even ostracised, but, regardless of all other facts, clearly related to indulgence.

 

My approach is one of romanticism/classicism: available light, no flash or photographic lighting, the attempt to catch a person’s character (or of the moment) with minimalistic means, not getting lost in details.

 

I want to thank my hosts, Diana Millet and Günter Liska, with all my heart, regardless the time we know each other, they accepted me in true friendship; also and especially Klaus Hruby, owner of Austria’s greatest Cigar-Blog ‘Der Blaue Dunst’ – without him, his friendship and his constant moral support this would have never have happened.
And of course, my gratitude also goes to all my ‘models’, whether they were 100% aware of it at that moment or not.

Arbeiten / Works

Ohne Titel I / Untitled I (Portrait)

10. Mai 2018

In der Malerei war es lange Zeit das höchste Ziel die Realität so genau wie möglich darzustellen.

Dann kamen die mit komischen Kästen und erledigten in Sekundenbruchteilen das, was das Lebenswerk eines Malers war – das war die Photographie.
Die Photographie hatte nur einen Nachteil: sie gab das wider, was war. Mit allen Fehlern, in aller Banalität, ohne Phantasie.
Die Malerei reagierte darauf indem sie die Pforten der Wahrnehmung aufstiess und Pfade der Phantasie beschritt, die in der reinen Abstraktion endeten.
Auch wenn die Inszenierungen der Photographen das Moment der Phantasie mit grossem Aufwand einfangen wollten, so waren ihnen die Pfade der Malerei in ihrem Medium verwehrt.
Bis zur Erfindung der digitalen Bearbeitung am Computer war die Manipulation des Photographierten immer plump und irgendwie unbeholfen.

Was hat das mit diesem Projekt Neobiedermeier zu tun?

Licht hat mich immer fasziniert. Ich wollte immer malen. Sogar eine akademische Laufbahn einschlagen. Aber der Alltag und dessen Anforderungen zogen mein Leben in eine andere Richtung.
Bis zu meiner (Neu-)Entdeckung der Photographie und der Erkenntnis, dass sich deren Grenze in Richtung der Malerei verschieben lässt, auch ohne digitaler Bearbeitung.

Dies ist mein Ansatz: ich möchte das Element der Malerei – das Phantastische, das Abstrakte, das Wundersame, das Warme – in meiner Photographie zur Geltung bringen, wiederzubeleben, die Romantik, den Klassizismus, die Moderne und ihre Spielarten, mit den Mitteln der digitalen Welt, aber den Beschränkungen, die die Ausarbeitung des analogen Mediums FILM hat. Denn erst das analoge Element schafft die Authentizität, die der digitalen Photographie so oft zu fehlen scheint.

In diesem Fall gibt es keine konkrete Inspiration, dies ist eine spontane Aufnahme, ungeplant, roh und authentisch.

 


 

For a long time the highest goal in painting was to portray reality in the most exact manner.

Then they came with odd boxes and did in a fraction of a second what a painter tried to master in a life’s work – that was photography.
But photography has one essential flaw: it just shows what is there. Defected, banal, without any fancy.
The painters answer was to tear up the doors of perception and walk the path of fantasy, which wound up in pure abstraction.
Although photographers made great efforts to catch fantasy in their work, the path of painting was denied to them.
Before digital manipulation was available, spoofing the pictured was always kind of blunt and clumsy.

But what has that to do with Neobiedermeier?

I always was fascinated by light. I always wanted to paint. Even walk the academic path. But due to gravity of common daily grind and its demands I walked a different road.
Till I (re)discovered photography and realized that its borders can be pushed in the favor of painting, even without digital editing.

That is my approach: in my work I want to revive the element of painting – the fancy, the abstract, the wondrous, the warmth, the Romanticism, Classicism, the Modernity in all its variety, in the digital medium, but by means of the limitations of analog FILM developing. Because the analogue way creates the authenticity modern digital photography so often seems to be lacking.

In this case there’s no concrete inspiration, this is a spontaneous shot, improvised, raw and authentic.

Damals / Back Then

Kein Moderner Geist / No Modern Intellect

15. Dezember 2017

“Während ringsumher von der Meerenge von Gibraltar bis zu dem irischen Meere und der Ostsee Europa in den Geburtswehen einer neuen Zeit liegt, während alles krampfhaft durchzuckt ist und fieberhaft erbebt, während überall das moderne Leben sich in den härtesten Gegensätzen abarbeitet, überall neue Zustände, neue soziale Verhältnisse sich hervorbilden; Spekulationen aller Art erwachen, findet sich dort absolute Ruhe, verstummt dort der wilde Löwe, ermattet dort der ungestüme Lauf der Bewegung. (…) Während das ganze gebildete Europa der politischen Emanzipation mit Enthusiamus zufiel, regte sich hier kein Laut der Teilnahme: Österreich allein besitzt keine Ansteckungsfähigkeit. Hierher allein hat der moderne Geist sich nicht mehr brechen können. Hier herrscht noch die sogenannte goldene Zeit, nachdem sie von der übrigen Erde verschwunden, hier ist der heitere Genuss, unbefangene Lust ohne Reflexion, fast ohne Bewusstsein.”
(p79)

Zitiert nach Wolfgang Häusler, Von der Massenarmut zur Arbeiterbewegung. Demokratie und soziale Frage in der Wiener Revolution von 1848, Wien/München, 1979, p73.

 


 

“While all around Europe suffers the throes of a new time, from Gibraltar’s seagate to the Irish Sea and the Baltic Sea, while everything is in convulsive tremor and feverish shaken, while everywhere modern life is taken down in hardest contradictions, everywhere new circumstances, new social relationships are spawned, speculations of all kind are rising, there is absolute stillness, the wild lion is silenced, the impetuous course exhausts at this place. (…) While the whole educated Europe is enthused by political emancipation, no tone of participation is found here: Austria alone has no enthusiasm. No modern intellect has reached so far. The so-called golden age still reigns here, even after it has disappeared from the remaining earth, here is bright enjoyment, naive delight without reflection, almost without awareness.”

 

Elisabeth Klamper, Das Revolutionsjahr 1848 in Wien
Biedermeier in Wien, 1815-1848, Sein und Schein einer Bürgeridylle
Internationale Tage Ingelheim und Verlag Phillip Von Zabern, Mainz, 1990,
ISBN 3-8053-1128-1
Bild: Rudolf Ritter Von Alt, CCC

 

Damals / Back Then

Alte Mächte / Old Forces

5. Dezember 2017

“Das Neue war unwiderstehlich. Die alten gesellschaftlichen Mächte mussten ohnmächtig zusehen, wie durch die Hand des Bürgertums unablässig Neues entstand, das geeignet war, die alten Standesunterschiede einzuebnen. (…) Die Bürger waren stolz auf ihre Leistung, und zwar ihre eigene, individuelle Leistung. Was sie selbst, was sie persönlich getan hatten, das zählte. Wenn es ein kleiner Mann zu etwas gebracht hatte, dann wog das mehr als eine ererbte Stellung. Ebenso stolz waren Bürger auf ihre Bildung. Genauso verhielt es sich mit der bürgerlichen Kultur.”
(p142)

 


 

„The new was irresistible. The old societal forces had to watch helpless as the hands of the bourgeoisie created ceaseless innovations, eligible to level the old class distinction (…) The burgess was proud of its achievements, namely their own, individual performance. What they personally accomplished, by themselfs, that mattered. When the little man got somewhere, this weighed more than any hereditary status. The bourgeoisie was proud of its education, likewise its civic culture.“

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Hasenklever, Das Lesekabinett, CCC
Damals / Back Then

Soziale Schere / Social Gap

30. November 2017

“Die ‘soziale Schere’ zwischen Arm und Reich vergrösserte sich im Biedermeier immer mehr, ohne dass vom Staat wirtschaftliche Massnahmen ergriffen worden wären. (…) Jede Erschütterung im wirtschaftlichen Bereich stiess krisenanfällige ‘Grenzexistenzen’ weiter in die Armut.”
(p25f)

 


 

“In the era of Biedermeier the social and economic gap between rich and poor was widening, but no measures were taken by the state. (…) Every economic tremor pushed precarious existences even further into poverty.”

 

Reingard Witzmann, Bürgerlicher Alltag im Wiener Biedermeier
aus/from: Biedermeier in Wien, 1815-1848, Sein und Schein einer Bürgeridylle
Internationale Tage Ingelheim und Verlag Phillip Von Zabern, Mainz, 1990,
ISBN 3-8053-1128-1
Bild: Waldmüller, CCC
Damals / Back Then

Gleichmacherei / Egalitarianism

28. November 2017

“In allen seinen Teilen war das gehobene Bürgertum auch einig gegen demokratisch-sozialistische ‘Gleichmacherei’. Dass Leute ohne wirtschaftliche Kraft und ohne Wissen und Bildung auch mitbestimmen wollten, dass sie vielleicht gar einen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum forderten, das fand das gehobene Bürgertum im Allgemeinen empörend.”
(p 152)

 


 

“In all its parts the upper-middle class was united in their attitude against democratic-socialist egalitarianism. The request that people without economic potency and without knowledge or education wanted to take part in decision-making, that they’re even claiming their share on society’s wealth was perceived by the upper bourgeoisie generally as scandalous.”

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: J.P.Hasenclever, CCC
Damals / Back Then

Gebildeter Mittelstand / Educated Middle-Class

23. November 2017

“Ein Zeitalter, welches Theorien über Erfahrungen setzte, musste notwendig einen übermässigen Wert legen auf die Ausbildung des Verstandes und auf das Erlernte. … Es war also hauptsächlich der Städte und des eigentlich gewerbetreibenden Standes, deren sich die Unruhe des Zeitalters bemeisterte. Hier war auch durch fleissige Väter und durch die dem Geldbesitz günstige Gesetzgebung das meiste Geld zusammengebracht, durch welches unterstützt die Jugend anfing, sich in der Welt umherzutreiben und sich da niederzulassen, wo das bequemste Unterkommen sich darzubieten schien.

Eine solche allgemeine Unruhe und Wanderung war eine ganz neue Erscheinung. Denn bis dahin war der Sohn in der Regel dem Gewerbe des Vaters gefolgt, und hatte, in späteren Jahren wenigstens, die Vaterstadt wieder zum Wohnsitz gewählt. Hiervon war jetzt nicht mehr die Rede. Mit einem jeden sollte es besser werden. Der Sohn des kleinen Kaufmanns wollte ein reicher Bankier, der des Predigers ein unabhängiger Gelehrter, der des Schulmeisters Prediger, der des Handwerkers Kaufmann, der des Ackerbürgers ein Schriftgelehrter werden. Die Handwerke mussten schon aus den Dörfern rekrutiert werden, auf die solchergestalt die Unruhe zurückschlug, denn dieser Stand erschien schon als viel zu mühselig.
So entstand nach und nach eine Klasse von heimatlosen Menschen, die sich den gebildeten Mittelstand nannte, von welcher man bis dahin nie gehört hatte und welche dreist von sich behauptete, die einsichtsvollste und beste zu sein, und dass in ihr die wahre Kraft der Staaten beruhe.”

 


 

“An age, which prefered theories over experience had to put exceeding value on the education of reason and knowledge. … So the disturbance of the times affected mostly cities and the manufacturing class. There was most of the money, due to diligent fathers and capital friendly laws, wealth which backed the youth in roving the world and to settle where it appeared to be the most convenient accommodation.

Such common restlessness and migration was a complete new phenomenon. Usually until then the son ensued the father’s craft, and chose, at least after some years, to live in his native city. From now on this was ineligible. Life should improve with every one. The son of a small merchant wanted to become a rich banker, a preacher’s son an independent scholar, the schoolmaster’s son a preacher, a tillers son a scribe. The craftsmen had to be recruited in the villages to which this unrest backfired, because this class appeared already too wearisome.

Hence arose, little by little, a new group of displaced people, which called themselves the educated middle-class, of which no one heard before, and who boldly claimed to be the most understanding and best, bearing the true strength of nations.”

 

(Marwitz, Friedrich August Ludwig v.d.: Ein märkischer Edelmann im Zeitalter der Befreiungskriege. Hrsg. von Friedrich Meusel, Bd 2, Teil 2, 1913, p312f)
(p141f)
Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Ernst Christian Moser, Die Versöhnung, CCC
Damals / Back Then

Moralische Ratschläge / Moral Pieces Of Advice

17. November 2017

“Jahrzehntelang wurde zum Beispiel überall in Deutschland ein Erbauungsbuch dieser Art gelesen, die ‘Stunden der Andacht’. (…) Es gab keine grundsätzlichen Erörterungen; kein kämpferischer Ton klang auf. (…) Seine Betrachtungen tauchte er (Anm: der Autor) in eine milde, sanfte Religiosität, so wenn er sich über die Tages- und Jahreszeiten äusserte, über die Beziehungen zu den verschiedenen Gliedern der Familie bis hin zu den Tieren, wenn er menschliche Schwächen oder menschliche Vorzüge behandelte. Weise zu werden, das sollte nach den Worten des Verfassers das Ziel des Lesers sein. Vom Seelenheil war selten die Rede. Oft genug gerieten seine moralischen Ratschläge in die Nähe von Benimm-Regeln.”
(p277f)

 


 

“For example: such a book of meditations was read in germany for decades, the ‘hours of devotion’. (…) There were no cardinal considerations, no fierce tone in evidence. (…) His (e.n.: the author) reflections were quenched in mild, meek religiousness, as he spoke out about daytime and seasons, about relationships with members of the family extended even to animals, as he outlined human flimsiness and virtues. Becoming wise, this should be, of the author’s notion, the reader’s intent. Salvation was rarely mentioned. His moral pieces of advice got often into rules of conduct.”

 

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Carl Spitzweg; CCC
Damals / Back Then

Spekulation / Speculation

14. November 2017

“Für die Höhe der Mietzinse war entscheidend, ob die Wohnung näher oder entfernter von der Stadt lag. Aber auch sonst bildeten sich Unterschiede heraus. Das Image der Gegenden wurde differenzierter bewertet. Das waren Auffassungen, die bis weit ins 20. Jahrhundert erhalten blieben. (…) In den Vorstädten, wo vorwiegend eine finanziell schwache Bevölkerung wohnte und es viele Arbeiterwohnungen gab, waren elende, kleine, niedrig gebaute Zimmer, in denen sich alles Leben einer Familie abspielte, die Regel. Charakteristisch waren hier die ‘Pawlatschenhäuser*’, niedrig gebaute Wohnobjekte mit aus Holz gebauten Umgängen. Viel an dem Wohnungsübel hatte seine Ursache im Spekulantentum. Die kleinen Häuser, in denen man sich die Wohnungen noch hatte leisten können, begannen zu verfallen und wurden durch Grossbauten ersetzt, der Höhe der Zinse den kleinen Einkommen keineswegs mehr entsprach. Offensichtlich waren die Spekulanten also bemüht, den vorhandenen Wohnraum zu verknappen, um ihn teuer anbieten zu können. In den vierziger Jahren trug diese Haltung zusätzlich zur Verschärfung der sozialen Situation bei. Im Zuge der Industrialisierung verringerte sich die Anzahl der Arbeitsplätze, die Einkommen sanken ab, die Verelendung der breiten Schichten der Bevölkerung nahm zu. Der Anteil der Höhe der Miete im Arbeiterhaushalt betrug ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens.”

 

*: „Pawlatsche“ war die ins Österreichisch übernommene tschechische (‘pavlać’) Bezeichung für ein Haus, dessen Wohnungszugang über aussen liegende Stiegen und überdachte Laubengänge erfolgte. Diese Kostruktion war sehr billig.

 


 

“The amount of the rent for the residence depended on the distance to the city. But other differences showed as well. The reputation of the neighborhood was distinguished differently. This concept stretched long into the 20th century (…) The outskirts were generally built up with workman’s houses, the inhabitants were mostly financially weak. Miserable, small, low-ceilinged rooms were characteristic, where the whole life of the family took place. A typical building for this area was the “pawlatschen*-house”, a low-rise construction with a wooden tower gallery. Essentially speculation was the reason for this misery. The small, but still affordable houses were left to deteriorate and were replaced by bigger structures with much higher rental fees which were in no match for the low income. The venturers apparently tried to shorten available housing space to rise the operating leases. In the (18)40ies this tune aggravated the social marginalisation. The number of jobs clearly depleted in the course of the industrial revolution, the income dropped and the distress of the population escalated. The quota of the workers salary regarding the rent was from 25 up to 30 per cent.”

 

*: “Pawlatsche” is an austrianized czech word (‘pavlać’) for a building, in which the staircase with an access balcony and canopy is on the outside, in the open. It was a cheap construction to access the flats.

 

Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien, 1815-1848
1988, Museen der Stadt Wien und Jugend und Volk, Wien
ISBN 3-224-16741-6
Bild: Velasquez, Wien um 1830, CCC