Schlagwort: wealth

Damals / Back Then

Soziale Schere / Social Gap

30. November 2017

“Die ‘soziale Schere’ zwischen Arm und Reich vergrösserte sich im Biedermeier immer mehr, ohne dass vom Staat wirtschaftliche Massnahmen ergriffen worden wären. (…) Jede Erschütterung im wirtschaftlichen Bereich stiess krisenanfällige ‘Grenzexistenzen’ weiter in die Armut.”
(p25f)

 


 

“In the era of Biedermeier the social and economic gap between rich and poor was widening, but no measures were taken by the state. (…) Every economic tremor pushed precarious existences even further into poverty.”

 

Reingard Witzmann, Bürgerlicher Alltag im Wiener Biedermeier
aus/from: Biedermeier in Wien, 1815-1848, Sein und Schein einer Bürgeridylle
Internationale Tage Ingelheim und Verlag Phillip Von Zabern, Mainz, 1990,
ISBN 3-8053-1128-1
Bild: Waldmüller, CCC
Damals / Back Then

Gleichmacherei / Egalitarianism

28. November 2017

“In allen seinen Teilen war das gehobene Bürgertum auch einig gegen demokratisch-sozialistische ‘Gleichmacherei’. Dass Leute ohne wirtschaftliche Kraft und ohne Wissen und Bildung auch mitbestimmen wollten, dass sie vielleicht gar einen Anteil am gesellschaftlichen Reichtum forderten, das fand das gehobene Bürgertum im Allgemeinen empörend.”
(p 152)

 


 

“In all its parts the upper-middle class was united in their attitude against democratic-socialist egalitarianism. The request that people without economic potency and without knowledge or education wanted to take part in decision-making, that they’re even claiming their share on society’s wealth was perceived by the upper bourgeoisie generally as scandalous.”

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: J.P.Hasenclever, CCC
Damals / Back Then

Eine Moralische Frage / A Moral Question

21. Juni 2017

“Am leichtesten machten es sich jene, die den Armen vorwarfen, sie hätten nicht genug gespart, oder sie hätten nicht heiraten sollen, dann brauchten sie auch keine Familie zu versorgen. Solche Beobachter warfen den Arbeitslosen Faulheit vor, den Hungernden Arbeitsscheu, den Verzweifelnden Trunksucht, den Elenden Liederlichkeit. Die Soziale Frage ist eine moralische Frage, behaupteten sie. In der Tat hätte sich manches Einzelschicksal durch noch mehr Selbstdisziplin bessern können, aber im grossen und ganzen waren solche moralischen Appelle ungeeignet, das Problem zu lösen, zumal sie von Leuten kamen, die sich selbst keine Entbehrungen aufzuerlegen brauchten.”
(p319)

 


 

“The easy path was taken by those, who accused the poor of not saving enough, or that they should not have married, because then they wouldn’t have to support a family. Such observers blamed the unemployed of laziness, the hungry of being unwilling to work, the desperate of vinosity, the miserable of looseness. The social question is a moral question, they alleged. Indeed, some individual fate would have been improved with even more self discipline, but, on the whole, such moral pleas were unfit to solve the problem, especially from people, who didn’t need to impose privation on themselfs.”

 

Gerhard Schildt
Aufbruch aus der Behaglichkeit – Deutschland im Biedermeier 1815-1847
Westermann, Braunschweig 1989, ISBN 3-07-509038-7
Bild: Waldmüller, CCC

 

Damals / Back Then

Wohnsitz / Place Of Residence

16. Juni 2017

“Eine gewisse Bewegung trat auf in der Wahl des Wohnsitzes: Die einen zogen in eine schöne Strasse in ‘guter Gegend’ der Innenstadt, als andere schon wieder hinaus strebten. In stadtfernen ländlichen Gegenden entstanden Villenkolonien, erbaut von Bodenspekulanten. (…) Bürgerlicher Reichtum strebte auch nach dem Zweitwohnsitz auf dem Lande, einem Haus in der neuen, heimatverbundenen Mode, am liebsten über und über mit Efeu bewachsen.”

 


 

“The choice for place of residence was fluctuating: some were moving to a nice street in good neighborhood downtown, others were moving out of the city. Villa quarters were built in rural landscapes, built by real estate venturers. (…) The wealth of the bourgeoisie was striving for a secondary residence in rural landscapes, a mansion in the newly, native fashion, preferably overgrown by ivy.”

 

 

(p60)
Annemarie Weber, Immer auf dem Sofa – Das familiäre Glück vom Biedermeier bis heute.
Severin und Siedler, Berlin, 1982
ISBN 3-88680-039-3
Bild: Raulino, Landschaft mit Schloss (Weilburg/Baden bei Wien), CCC